Presseberichte 2012

März 2012

Etwa 80 freiwillige Ersthelfer im Kreis Trier-Saarburg sind in ihrer Freizeit in Alarmbereitschaft, um bei Unfällen zusätzlich zum Notarzt auszurücken. Ihr Einsatz rettet Leben - wie das des kleinen Jan aus Riol.

Trier/Saarburg/Riol. Für den eineinhalb Jahre alten Jan wird sie beinahe eine tödliche Falle: die kleine Pfütze im Garten seiner Familie, nur 15 Zentimeter tief. Jan stürzt beim Spielen nach einem heftigen Regenguss in die Wasserlache, verliert das Bewusstsein und erleidet einen Herzstillstand. Mutter Melanie hastet herbei, zieht den Kleinen aus dem Wasser und alarmiert die Rettungsleitstelle in Trier unter der 112. Außerdem meldet sie sich bei ihrem Nachbarn Christian Scholtes. Der Rettungssanitäter ist in seiner dienstfreien Zeit als First Responder (siehe Extra) ehrenamtlich in Bereitschaft. Wenige Minuten nach dem Unfall trifft der 28-Jährige am Einsatzort ein.
Etwa 80 Ersthelfer gibt es im Kreis Trier-Saarburg, wie die Kreisverwaltung mitteilt. Die genaue Zahl ist kaum zu bestimmen, weil sie nicht zentral erfasst wird. Die First Responder haben einen Pieper, wie ihn auch die freiwilligen Feuerwehren benutzen. Im Notfall sendet die Leitstelle ein Signal an alle Pieper in einem Einsatzbezirk. Der Helfer, der sich als Erstes meldet, bekommt den Einsatzauftrag. Daher weiß auch die Leitstelle nicht genau, wo wie viele First Responder in Bereitschaft stehen.
Die meisten Helfer sind Mitglieder des Roten Kreuzes, der Malteser oder der Feuerwehr. First Responder gibt es vor allem in ländlichen Gebieten. Sie sind schneller an einem Unglücksort als der Notarzt, der aber stets zusätzlich zu den Ersthelfern ausrückt.
So läuft es auch beim Unfall in Riol: Christian Scholtes setzt bei dem kleinen Jan Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage ein. Wenig später kommen Notarzt und Rettungswagen hinzu. Nach 15 Minuten schlägt das Herz wieder. Notarzt Dr. Gerhard Block sagt: "Weil der Ersthelfer so schnell zur Stelle war, hat er einen gefährlichen Sauerstoffmangel verhindert. Sonst hätte es dauerhafte Gehirnschäden bei dem Jungen geben können." Das Kind wird nach zehn Tagen kerngesund aus der Klinik entlassen. "Besonders schön war, dass sich Mutter und Sohn später bei den Helfern bedankt haben", sagt Block.

 

Obermosel: 100 Einsätze 2011


An der Obermosel gibt es seit 2004 die ehrenamtlichen Helfer. Vier First Responder sind für die Verbandsgemeinden Konz und Saarburg zuständig. Drei von ihnen sind ausgebildete Rettungsassistenten, einer Rettungssanitäter. Etwa 100 Mal mussten sie 2011 ausrücken. Thomas Fischer, Ersthelfer aus Nittel, erinnert sich an einen Fall: "Ein Kind mit starker Erkältung wäre beinahe an Erbrochenem erstickt und war schon blau angelaufen. In so einem Fall zählt jede Minute." Der Retter war noch rechtzeitig zur Stelle.
Finanziert wird das System der First Responder an der Obermosel hauptsächlich von den Hilfsorganisationen. Mit Defibrillator (Elektroschocker), Einsatzkoffer und Schutzkleidung können mehr als 5000 Euro pro Helfer zusammenkommen. "Deswegen haben wir einen Verein zur Unterstützung der First Responder Obermosel gegründet", sagt Fischer (siehe Extra).
So haben die First Responder nach den Erfahrungen beim schweren Verkehrsunfall bei Schloss Thorn 2008 (der TV berichtete) vom Verein etwa neue Einsatzkoffer bekommen. Eine Erleichterung im Einsatz wünschen sich Fischer und sein Teamleiter Toni Betzhold: das Privileg, ein Blaulicht benutzen zu dürfen. "Wir sind nicht immer als Helfer zu erkennen", sagt Fischer. "Manchmal müssen wir bei Stau viele Hundert Meter mit schweren Gerät zu Fuß laufen."

Extra 1

First Responder (englisch: zuerst Antwortende) sind ausgebildete Ersthelfer. Die Freiwilligen leisten diesen Dienst normalerweise nur in ihrer Freizeit, sind also in einer Zufallsbereitschaft. Die Helfer sind meist Mitglieder des Roten Kreuzes, der Malteser und der Feuerwehren. Weitere Informationen zum Verein Schnelle adäquate Hilfe Obermosel, der die First Responder in den Verbandsgemeinden Saarburg und Konz unterstützt, gibt es auf www.frp-obermosel.de Infos zu den First Respondern in Trier finden sich auf http://www.malteser-irsch.de Die Helfer im Hochwald präsentieren sich auf http://www.first-responder-hochwald.dec  ju/thie

Extra 2

Relativ jung ist die Einsatzgruppe aus dem Hochwald, die 2010 zum ersten Mal ausrückte. Derzeit kümmern sich eine Frau und drei Männer um die Orte Lorscheid, Herl, Farschweiler, Thomm, Osburg und Riveris. 2012 mussten sie 26 Mal in den Einsatz. Die Bedeutung der Gruppe beschreibt Ersthelfer Hermann Longen so: "Wenn man bedenkt, dass man bei einem Kreislaufstillstand mit jeder Minute, die vergeht, auch zehn Prozent an Überlebenschance einbüßt, ist jede Sekunde Zeitvorsprung wichtig." Nicht einfach seien Notfälle mit Kindern oder Säuglingen. "Da die meisten aber selber Kinder haben, hilft die Erfahrung. Eine Hausgeburt Anfang 2012 gehörte zu den schönen Einsätzen." thie